Technologiestandort für die Automobilindustrie

12.06.2019 - 09:13

Viele Messen und Kongresse auf der Messe Stuttgart haben die Fahrzeugindustrie im Fokus und zeigen Innovationen für Mobilitätslösungen

Wer schöne, neue Autos sehen will, muss auf die IAA nach Frankfurt oder zum Genfer Autosalon fahren. Wer an der Evolution des Automobils interessiert ist, der kann sich wunderschöne Youngtimer und Oldtimer auf der Retro Classics in den Hallen der Messe Stuttgart anschauen und Vergleiche zwischen „damals und heute“ anstellen.

Nicht viel zu sehen auf allen drei Messen gäbe es allerdings ohne die Aussteller der vielen Eigen- und Gastmessen der Messe Stuttgart. Deren Maschinen, Werkzeuge, Zubehör und Ausrüstung für den Fahrzeugbau bilden die Grundpfeiler der Automobilindustrie. Der Industriezweig und seine Zulieferindustrien, darunter viele innovativen Unternehmen von Weltgeltung mit Sitz in der Region, sind Taktgeber für die Weiterentwicklung der Mobilität und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Baden-Württemberg. Entsprechend orientieren sich zahlreiche Messen am Standort Stuttgart an dieser Zielgruppe vor der Haustür. Das Automobil, beziehungsweise die Mobilität als Gesamtheit, stehen dabei als wichtiger Absatzmarkt maßgeblich im Fokus.

„In der Tat hat sich unser Messeportfolio seit dem Umzug auf das neue Messegelände schwerpunktmäßig in Richtung Technologie-Veranstaltungen weiter entwickelt. Das war auch unser Ziel“, erklärt Ulrich Kromer, Sprecher der Geschäftsführung der Messe Stuttgart, dazu. „Es ist immer wieder aufs Neue atemberaubend, was die Aussteller der Messen hier am Standort an Innovationen und Weiterentwicklungen für den Fahrzeugbau zeigen. Dabei ergänzen sich Eigenmessen und Gastveranstaltungen in idealer Weise.“ 

Betrachtet man die wichtigsten Schritte bei der Automobilherstellung zeigt sich, dass die Messen und Kongresse auf der Messe Stuttgart das Know-how für die Fahrzeugproduktion umfassend darstellen und vermitteln. Die Herstellung eines Autos startet mit der Entwicklung des Fahrzeugs, der Designphase und der Konstruktion. Danach geht es an die Produktion der Vorserie. Die wesentlichen Schritte in der Konstruktion und Fertigung eines Autos im Blick wird klar, wie viele der Messen auf dem Stuttgarter Messegelände daran beteiligt sind. Für die Entwicklung des Fahrzeugs, die Designphase, die Konstruktion, die Fabrik- und Produktionsplanung und die Produktion der Vorserie werden digitale Tools benötigt, die im Segment CAD/CAM/CAE von vielen Ausstellern auf der AMB, internationale Ausstellung für Metallbearbeitung, gezeigt werden. Auf der internationalen Fachmesse Moulding Expo stehen der für den Fahrzeugbau benötigte Werkzeug-, Modell- und Formenbau sowie die zugehörigen Zulieferertechnologien im Mittelpunkt. 
 
Bereits bei der Konstruktion wird der komplette Lebenszyklus des Fahrzeugs betrachtet: Was muss der Käufer über die Jahre in Verschleißteile investieren? Wie hoch sind die Reparaturkosten nach einem Unfall? Welche Teile sind besonders anfällig, wenn es kracht? All das wird in simulierten Belastungs- und Crashtests ermittelt. Was es dafür braucht sowie weitere Technologien für den Automobilbau zeigen sieben Fachmessen des britischen Veranstalters uki Media & Events, die jedes Jahr in den Hallen der Messe Stuttgart veranstaltet werden. Die Automotive Testing Expo ist die weltweit größte Messe für Prüf- und Validierungstechnologien sowie -services für komplette Fahrzeuge und Komponenten. Im Fokus stehen neueste Entwicklungen in den Bereichen Prüfung von Fahrerassistenzsystemen, NVH-Messwerkzeuge, Prüfstände, Simulationspakete, Dauerprüfungstechnologien, Crashtest-Know-how, Dynamometer, Emissionsmesssysteme und Dynamikbewertungstools sowie auf zahllose Serviceanbieter wie Prüfgelände und Testeinrichtungen. Parallel dazu laufen die Fachmessen Engine Expo + The Powertrain Technology Show, die sich mit Konstruktion, Entwicklung, Beschaffung und Fertigung im Bereich von Antriebssträngen beschäftigen. Ebenfallsparallel laufen die Global Automotive Components and Suppliers Expo. Dort finden Interessierte neue Technologien, Komponenten, Lieferanten und Fertigungspartner. Mit dem Thema „Autonomen Fahren“ beschäftigt sich das Autonomous Vehicle Test & Development Symposium Europe, ebenfalls veranstaltet von uki Media & Events. Dort tauschen sich regelmäßig rund 150 weltweit führende Experten für fahrerlose Fahrzeuge aus und erörtern neueste Technologien, Sensoren, Simulationen und Testmethoden.

Wenn es um die eigentliche Produktion geht, wird das Fahrzeug über ein Band durch viele Einzelabteilungen geführt, die sich meist über verschiedene Fertigungshallen erstrecken. Diese Materialflussstrecke wird durch Regelkreise geplant, gesteuert und geprüft. Start der Produktionsphase ist im Presswerk. In diesem Bereich werden aus Stahlrollen, Coils genannt, Platinen. Daraus werden in der Schneidanlage unterschiedlichen Bauteile gefertigt. Diese Platinen kommen dann ins Presswerk. In einer großen Presse werden aus der flachen Platine dreidimensionale Bauteile, wie beispielsweise Kotflügel, gepresst. Im Karosseriebau erfolgt die Weiterverarbeitung der gepressten Blechteile, indem sie verschraubt, vernietet, geklebt, gepresst, gelötet und verschweißt werden. Maschinen für diese Produktionsschritte zeigt das Messe-Duo Blechexpo und Schweisstec, das sich als weltweit einzige Veranstaltung mit den komplementären Technologien Blechbearbeitung und Fügetechnik. Der Messeverbund beleuchtet dabei die gesamte Prozesskette der kaltumformenden Blechbearbeitung sowie der damit verbundenen thermischen oder mechanischen Schneid-, Füge- und Verbindungstechnik. Möglich ist all das auch mit dem Laser, wie die Lasys als Anwendermesse für die Laser-Materialbearbeitung in allen Facetten zeigt. Wichtig für alle Produktionsstufen  ist, dass in sämtlichen Prozessen die Einhaltung der vorgeschriebenen Qualitätsstandards sicher gestellt ist. Eine Domäne der Control, internationale Fachmesse für Qualitätssicherung. Sie zeigt Technologien, Verfahren, Produkte und Systemlösungen zur industriellen Qualitätssicherung.

Beim Thema Weiterverarbeitung schlägt auch die Stunde der Bondexpo, internationale Fachmesse für Klebtechnologie. Dort zeigen die Aussteller die gesamte Prozesskette des Fügens und Verbindens. Die gezeigten Systemlösungen reichen vom Kleben, Vergießen und Dichten bis hin zum Schäumen verschiedenster Materialien. Auch die Fastener Fair Stuttgart hat in der Automobilbranche eine starke Zielgruppe. Sie deckt das komplette Spektrum an Verbindungs- und Befestigungselementen ab: von Befestigungselementen und Halterungen für die Industrie und Baubranche, über Montage und Installationssysteme, bis hin zu Produktionstechnologien für Befestigungselemente.

Danach erfolgt die Reinigung der Teile von Schmutzpartikeln, die die vorangegangenen Fertigungsschritte hinterlassen haben, um die Teile für die Lackiererei vorzubereiten. Welche Möglichkeiten es dafür gibt zeigt die Parts2clean, die weltweit einzige Messe mit ausschließlichem Fokus auf der industriellen Teile- und Oberflächenreinigung. Weitere Bauteile kommen aus der Schmiede und der Gießerei. Eine Domäne der CastForge. Sie bringt Angebot und Nachfrage zusammen und zeigt die Wertschöpfungskette vom Guss- oder Schmiederohling, über die maschinelle Bearbeitung, bis hin zum finalen Bauteil. Diese Teile kommen häufig von Zulieferbetrieben. Hier kommt die AMB wieder ins Spiel. Sie gehört weltweit zu den Top-Five-Fachmessen für Zerspanung und zeigt schwerpunktmäßig Fräsmaschinen, Drehmaschinen und –automaten, Werkzeugmaschinen und Bearbeitungswerkzeuge und Spannzeuge, Messtechnik und Qualitätssicherung sowie die bereits erwähnte CAD/CAM/CAE. Bauteile, die mit den Maschinen und Bearbeitungswerkzeugen der AMB hergestellt werden sind im Allgemeinen der Motorblock oder das Getriebegehäuse sowie weitere Kleinteile aus der Aggregatfertigung, um daraus einen funktionierenden Motor herzustellen. Auch für die Produktion des Fahrwerks, das mit den anderen Bauteilen verbunden werden muss, um ein fahrendes Auto zu erhalten und für die Innenausstattung des Fahrzeuges, etwas die Metallteile der Sitzfertigung, werden die Maschinen der AMB eingesetzt. Viele Teile der Karosserie werden heute auch schon aus Kunststoffen hergestellt, denn dieser Werkstoff macht das Fahrzeug leichter und senkt damit den Kraftstoffverbrauch. Mit dem neuen „Forum der Kunststoffprodukte“, das parallel zur Moulding Expo stattfindet, bietet der Verband GKV/TecPart einen Überblick der Trends in der Kunststoffproduktion. Gezeigt wird, wie technische Bauteile material- und formgerecht entwickelt werden.

In der Montage wird das Fahrzeug zusammen gebaut: Karosserie, Motor und Fahrwerk, aber auch Kabelbaum und Armaturen müssen installiert werden. Für den nötigen Fahrkomfort sorgt unter anderem die Vision, internationale Fachmesse für industrielle Bildverarbeitung. Einparkhilfen wie Kamerasysteme und Sensoren gehören zu den Produkten der Vision-Aussteller. Im Bereich der Montage sind aber auch die Motek-Aussteller gefragt. Die internationale Fachmesse für Produktions- und Montageautomatisierung zeigt schwerpunktmäßig Zuführtechnik, Materialfluss, Rationalisierung durch Handhabungstechnik und Industrial Handling. Als spezialisierte Branchenplattform bildet sie die ganze Welt der Automation ab. Lösungen für den innerbetrieblichen Materialfluss und die dazugehörige IT-Steuerung von der Beschaffung über die Produktion bis zur Auslieferung stellt die Logimat vor, internationale Fachmesse für Intralogistik-Lösungen und Prozessmanagement. Damit das Fahrzeug schließlich fahrbereit ist, kommen im Innenraum noch der Himmel, Griffe und Blenden für die Verkleidung dazu. Schließlich  müssen Öl, Bremsflüssigkeiten und weitere eingefüllt werden und die Räder montiert werden.

Der Fahrzeugbau im Allgemeinen und insbesondere der Automobilbau befinden sich momentan in einem tiefgreifenden Umbruch. Neue Technologien halten Einzug in der Produktion. Diese spiegeln sich auch im Veranstaltungsportfolio der Messe Stuttgart wider. Ein Beispiel dafür ist The Battery Show and Electric & Hybrid Vehicle Technology Expo Europe, Europas größte Messe für Autobatterien und hybride elektrische Fahrzeuge, die im Mai 2019 zum ersten Mal auf der Messe Stuttgart veranstaltet wurde. Sie ist ein Indikator dafür, dass es massive Veränderungen in der Automobilindustrie gibt, die sich derzeit um Alternativen zu den klassischen Verbrennungsmotoren bemüht. Elektromobilität ist eine der forcierten Lösungen. „Für uns ist es interessant zu sehen, wie sich der Technologiewandel in der Mobilität auch bei unseren Messen wiederspiegelt. Direkten Einfluss haben wir als Messeveranstalter auf diese Entwicklung zwar nicht, aber die Aussteller werden auch künftig in unseren Hallen ihre Innovationen für die Mobilität zeigen“, ist sich Kromer sicher. Am Ende entscheidet der Kunde beim fertigen Produkt, was ihm am besten gefällt. Alljährlich werden die beliebtesten Autos im ICS Internationales Congresscenter Stuttgart prämiert. Dort verlieh die Motor Presse Stuttgart Ende Januar 2019 ihren großen Leserpreis „Best Cars“ des Magazins auto motor sport an die Top-Vertreter der Automobilbranche.

Bildunterschriften:

UK_19_PM03_Bild 1: Die Hightechmessen und –kongresse auf der Messe Stuttgart bilden nahezu die gesamte Herstellung eines Fahrzeuges, inklusive Innenleben, ab. Meist unsichtbar, zeigt diese transparente Systemdarstellung eines Autos sehr schön, wie es unter Karosserie und Verkleidung aussieht. (Bildnachweis: ZF Friedrichshafen)

UK_19_PM03_Bild 2: Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg, informierte sich auf der AMB 2018 bei Luigi Maniglio, Geschäftsführer der FFG Werke GmbH, über die Herstellung von Kurbelwellen. Viele innovative Unternehmen und Weltmarktführer im Hightech-Bereich sind im Land beheimatet und sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. (Bildnachweis: Messe Stuttgart)

UK_19_PM03_Bild 3: Auf der internationalen Fachmesse Moulding Expo stehen der für den Fahrzeugbau benötigte Werkzeug-, Modell- und Formenbau sowie die zugehörigen Zulieferertechnologien im Mittelpunkt. Auch dieses Motorrad der Moulding Expo 2017 lässt sich mit den gezeigten Exponaten herstellen. (Bildnachweis: Messe Stuttgart)

UK_19_PM03_Bild 4: Zum ersten Mal fand im Mai 2019 The Battery Show and Electric & Hybrid Vehicle Technology Expo Europe in Stuttgart statt und zeigte Innovationen rund um Elektromobilität. (Bildnachweis: Smarter Shows)

UK_19_PM03_Bild 5: Dieses Oldtimer-Exponat des Mercedes Benz Museums, ausgestellt auf der Retro Classics 2019, zeigt sehr schön, aus welchen Einzelteilen schon damals ein Auto zusammengebaut wurde. (Bildnachweis: Messe Stuttgart)

UK_19_PM03_Bild 6: „Für uns ist es interessant zu sehen, wie sich der Technologiewandel in der Mobilität auch bei unseren Messen wiederspiegelt“, erklärt Ulrich Kromer, Sprecher der Geschäftsführung der Messe Stuttgart. (Bildnachweis: Messe Stuttgart)

Über die Messe Stuttgart:

Die Messe Stuttgart gehört mit rund 178 Millionen Euro Umsatz und 34 Millionen Euro Ergebnis zu den führenden deutschen Messegesellschaften. Jährlich präsentieren sich mehr als 23.500 Aussteller auf einer Hallenfläche von 120.000 m², auf 40.000 m² Freifläche und in rund 33 flexibel nutzbaren Räumen im angeschlossenen ICS Internationales Congresscenter Stuttgart bis zu 1,36 Millionen Besuchern. Die Messe Stuttgart ist mit drei Tochtergesellschaften, 19 Auslandsvertretungen und zahlreichen Vertriebspartnern in 52 Ländern für ihre Kunden präsent.

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